Unterschiedliche Länder und Regionen haben oft auch unterschiedliche Bezeichnungen für dieselben Leckerbissen.
Fragt man einen Wiener, wie das lange, knackige Würstchen heißt, wird er sicher antworten “Na Frankfurter!”. Fragt man einen Frankfurter nach dem Würstchen, heißt es auf einmal “Wiener”. Gleiches Spiel bei dem in Schmalz ausgebackenen und gefüllten Krapfen, der mal Berliner, mal Pfannkuchen und manchmal sogar Krapfen heißt. Wieso dieses babylonische Sprachwirrwarr?
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Unter einem “Berliner” versteht man in den meisten Teilen Deutschlands nicht nur den Einwohner der bundesdeutschen Hauptstadt, sondern auch einen in Fett ausgebacken und mit Konfitüre (meist Erdbeer- oder Himbeermarmelade) befüllten süßen Krapfen. Dieser wird mit Puderzucker oder Zuckerguss gekrönt und traditionell vor allem an Silvester und Fasching/ Karneval verzehrt.
Möchte man ein solches Gebäck nun in Berlin oder im südlichen Osten in einer Bäckerei erstehen, sollte man tunlichst einen “Pfannkuchen” bestellen, während man im Ruhrgebiet eher von einem “Berliner Ballen” und im Südlichen Westen von einem “Krapfen”, “Fastnachtsküchelchen” oder “Kreppel” spricht. Im Alpenraum heißt er wiederum “Faschingskrapfen”. In Frankreich spricht man vom “Boule de Berlin”, also der französischen Ruhrgebiets-Variante, von der auch die Portugiesen reden, wenn sie von einer “Bolas de Berlim” schwärmen. Und die Finnen essen gerne einen “Berliininmunkki”- einen “Berliner Mönch”.
So viele Bezeichnungen für ein identisches Stück Gebäck, bei dessen Rezept regional nur kleinste Details variieren.
Schmalzgebäck gibt es in deutschen Landen schon seit dem Mittelalter, jedoch variierten die Formen. Der Legende nach wurden die faustgroßen, schwimmend im Fett ausgebackenen und befüllten “Berliner Pfannkuchen” 1756 von einem Berliner Zuckerbäcker erfunden. Dieser wollte unbedingt im Regiment Friedrich des Großen dienen, war jedoch wehruntauglich, sodass er nur als Feldbäcker beim Regiment verbleiben konnte. Als Dank, dass er nun doch auf seine Weise dienen durfte, schuf er die kleinen runden Gebäckstücke. Die Form sollte an Kanonenkugeln erinnern und in Ermangelung eines Ofens buk er sie über dem offenen Feuer in Pfannen mit heißem Fett aus. Diese Zubereitung erwies sich als besonders einfach und effektiv und schon bald bevölkerten mobile Stände die Straßen der größeren Städte, an denen im Akkord Hefeteigbällchen in heißem Fett frittiert wurden. Im 19. Jahrhundert gab es sie dann auch in gefüllter Form und ihre Verbreitung in anderen Teilen Deutschlands schritt voran.
Ganz ähnlich ist es bei den Wiener Würstchen und den Frankfurter Würstchen.
Auch hier gibt es eine Legende für den Namens-Wirrwarr. Im 18. Jahrhundert wanderte der Frankfurter Metzger Lahner nach Wien aus und bot dort ein traditionelles Frankfurter Würstchen an, bei welchem er nach und nach die Rezeptur leicht änderte (er fügte Rindfleisch hinzu, was in Frankfurt unüblich war). So kam die ehemalige Frankfurter Wurst zu ihrem neuen Namen. Grundlage für beide Bezeichnungen sind also ein relativ ähnliches Rezept, Gewicht und Länge.
Und dennoch muss man vorsichtig sein. Einige Metzger unterscheiden noch heute die Frankfurter und die Wiener Würstchen allein am Rindfleischanteil, wohingegen zum Beispiel in Nordarmerika “Frankfurter” und “Wiener” ein und dasselbe sind. In manchen Regionen Deutschlands verkaufen Wurstproduzenten ein identisches Produkt als “Wiener Würstchen” und in einer anderen Verpackung ebenfalls als “Frankfurter”. Wiederum gibt es Teile von Deutschland, in denen die Wiener als “Saitenwurst” beziehungsweise “Saite” bekannt ist und in Österreich spricht man auch mal von der Wiener und meint damit eine Schnittwurst, also etwas anderes. Gelegentlich findet man dann auch mal Wiener oder Frankfurter, die so gut wie nichts mit der ursprünglichen Form oder dem altertümlichen Rezept gemein haben, dennoch aber unter diesen Namen vertrieben werden. Nach dem Motto “Ist ja eh alles Wurst”.
Viele Bezeichnungen hat auch das Brötchen. So kennt man es in Berlin und Umgebung als “Schrippe”, in Bayern als “Semmel”, in
Baden-Württemberg spricht man vom “Weck” oder “Weckle”, in der Schweiz vom “Weggli”. Dazu kommen dann die zahllosen Variationen und Abwandlungen des Gebäcks mit ebenso zahllosen, unterschiedlichen Bezeichnungen.
In den meisten Fällen handelt es sich bei solchen Lebensmittel um regionale Spezialitäten, die im Laufe der Zeit auch in anderen Regionen Verbreitung fanden und durch regionale Sprachunterschiede und leichte Variationen im Rezept dort andere, regionspezifische Bezeichnungen erhielten. Meistens ist es ebenfalls so, dass, je mehr Bezeichnungen ein Produkt hat, umso älter ist es. Erst bei den moderneren Lebensmitteln findet man weitgehend identische Bezeichnungen.
Januar 30th, 2008 um 16:02
Das war ja mal ein Artikel, der mir aus der Seele spricht!

Ich kann garnicht mehr zählen, wie oft ich diese Berliner Ballen - Pfannkuchen - Diskussion schon geführt habe…. Ich bin ja aus dem Bergischen eingewanderter Berliner. Hab den Artikel gleich mal weiterempfohlen, trägt bestimmt zur “Völkerverständigung” bei! :o)
Ausgesprochen interessant und unterhaltsam geschrieben jedenfalls! Und das Rezept muss ich dann gleich mal ausprobieren… mjam..
Januar 30th, 2008 um 17:56
Freut mich, dass der Artikel gefallen hat. Ich würde mich ebenso über eine kleine Nachricht freuen, wie die Pfannkuchen/ Berliner/ Ballen geschmeckt haben!
Februar 8th, 2008 um 12:40
Oh ja, das kenn ich auch. Als eigentliche Erzgebirgerin, die ja schon in anderen Teilen Sachsen Probleme bekam, wenn sie eine Semmel kaufen wollte, die mittlerweile auch die Weckle in der Pfalz kennen gelernt hat und nun im Rheinland unterwegs ist, habe ich mittlerweile gelernt, beim Bäcker einfach “normale Brötchen” zu verlangen. Das klappt fast immer
Eigentlich fehlt jetzt nur noch der Hinweis, was denn dann die Berliner bzw. “Ossis” zu den im restlichen Deutschland als Pfannkuchen bekannten Köstlichkeiten sagen??? …
Richtig, Eierkuchen *g