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Ein Test für die (Geschmacks-)Nerven: Dinner im Dunkelrestaurant

Autor: Ariane
abgelegt in: Restaurants

Längst gelten sie nicht mehr nur als Geheimtipp: die Restaurants, in denen man in völliger Dunkelheit sein Dinner genießen kann. FALLS man es denn genießen kann, denn für manchen wird das Erlebnis doch zur bitteren Erkenntnis. Oder auch zur Erleuchtung.

Allein das Besteck richtig zu benutzen, ist im Dunkeln eine Kunst ©the wandering angel/ FlickrOb nun das “Nocti Vagus” in Berlin, die “Dunkelbar” in Wiesbaden, die “Unsicht-Bar” in Hamburg: Dunkelrestaurants gehören mittlerweile zum festen Bestandteil der deutschen Erlebnisgastronomie.
Das Konzept ist simpel: Die Gäste speisen in absoluter Dunkelheit. Auf diese Weise soll ihnen zum einen die Welt der Nicht-Sehenden näher gebracht werden, zum anderen wird es zum Test für alle Sinne. Tasten, Riechen, Schmecken- alles ist anders, wenn das Auge zur Abwechslung mal nicht mit isst. Eine Freude für den echten Feinschmecker.

Im Eingangsbereich des Restaurants werden potenzielle Lichtquellen, Uhren mit Leuchtziffern, Handys, Feuerzeuge und Zigaretten, abgegeben. Dort wird auch ein Menu (nur die Fleischrichtung) zur Auswahl gestellt. Den eigentlichen, völlig abgedunkelten, Speiseraum erreicht man über eine Schleuse, sodass andere Gäste nicht gestört werden. Damit wird sichergestellt, dass der Raum stets absolut dunkel bleibt.
Geführt und bedient wird man normalerweise von blinden und sehbehinderten Kellnern, jedoch gibt es auch Restaurants, in denen sehende Kellner Infrarotgeräte tragen.

Gefordert sind zunächst der Tastsinn und der Gehörsinn, während man der Bedienung an den Platz folgt, den Anhand der Uhrzeiten wird erklärt, wo das Besteck liegt oder welche Speise sich wo auf dem Teller befindet ©sister72/FlickrRaum und seine Geräusche wahrnimmt. Anhand von Uhrzeiten erklären die Kellner den Gästen dann die Platzierung der Gegenstände, damit diese sich in der Finsternis zurecht finden. Die Löffel liegen auf 12 Uhr.

Sobald das Menu serviert wird, sind dann Geruchs- und Geschmackssinn gefragt. Es ist erstaunlich, wie wenig der durch Industriekost und Geschmacksverstärker ruinierte Gaumen ohne die visuelle Wahrnehmung erkennt. Oder eher, wie viel nicht! Viele der Gäste, zu beginn noch absolut davon überzeugt, die Speisen zu “erschmecken”, verlassen das Lokal mit einem leichten Schock, denn schneller als man denkt werden Pilze zu Kartoffelscheiben oder Gurken zu Tomaten. Die Wahrnehmung spielt verrückt und der Großstädter erkennt seine mangelnde Verbundenheit zur Natur(kost). Bei manchen jedoch wächst die Begeisterung, wenn Karotten endlich mal wieder wie Karotten schmecken und man sich dies auch bewusst macht.

Es herrscht eine intime Atmosphäre, wobei die Bedienung oft Scherze über die Blindheit der Sehenden macht.
Die Kommunikation, auch mit anderen Gästen, erfolgt in der Regel mündlich.
Ein Restaurantbesuch dauert oft zwei bis drei Stunden und im Anschluss kann man sich im Eingangsbereich die genaue Menufolge schildern lassen - so man sie denn nicht erschmecken konnte.

Wer schon mal üben möchte, kann sich ja bei der nächsten Mahlzeit zuhause mal die Augen verbinden lassen und testen, wie gut er sich zurecht findet. Und danach gehts dann ins nächste Dunkelrestaurant. :)


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  1. Slow Food, der neue Trend | Geschmacksknospen schreibt:

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